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unten der Wellensittich

Nymphensittich

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Nymphensittich

Nymphensittiche (Nymphicus hollandicus), australische Wildform; Henne links, Hahn mit 3 Jungvögeln rechts

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Kakadus (Cacatuidae)
Gattung: Nymphensittiche (Nymphicus)
Art: Nymphensittich
Wissenschaftlicher Name
Nymphicus hollandicus
Kerr, 1792

Der Nymphensittich (Nymphicus hollandicus) ist eine australische Vogelart aus der Ordnung der Papageien (Psittaciformes). War früher noch unklar, ob der Nymphensittich innerhalb der Papageien zu den Kakadus oder den Sittichen gehört (ältere Bezeichnungen wie Kakadusittich und Keilschwanzkakadu deuten auf diese Unsicherheiten in der Nomenklatur hin), so ist es inzwischen sicher, dass er den Kakadus zuzuordnen ist. Nymphensittiche sind beliebte und weit verbreitete Haustiere. Um 1840 kamen die ersten Wildfänge nach Europa, zehn Jahre später wurden sie erfolgreich gezüchtet.

 

 

Systematik

Die genaue systematische Einordnung der Nymphensittiche innerhalb der Ordnung der Papageien ist bis heute nicht abschließend geklärt. Der heutige wissenschaftliche Name Nymphicus hollandicus wird erst seit 1832 verwendet.

1788 nannte Johann Friedrich Gmelin den Nymphensittich „Kakadusittich“ mit dem lateinischen Namen Psittacus novae-hollandiae. Der zweite Teil dieses Namens stellt dabei eine Herkunftsbezeichnung dar: Die ersten Entdecker Australiens, niederländische Seefahrer, hatten den australischen Kontinent „Neu-Holland“ genannt, lateinisch novae-hollandiae. 1792 legte der Ornithologe Robert Kerr den heutigen Artnamen hollandicus fest. Der Zoologe Johann Georg Wagler stellte 1832 die Gattung Nymphicus auf. Es lässt sich heute nicht mehr ermitteln, wodurch er zu dieser Namenswahl inspiriert wurde.

Dem Nymphensittich wird heute eine systematische Sonderstellung zugewiesen, allerdings in naher Verwandtschaft zum Kakadu. Der Nymphensittich wird häufig in einer eigenen Unterfamilie der Kakadus geführt. Die Unterfamilie Nymphicinae führt mit Nymphicus nur eine Gattung. Über die Entwicklungsgeschichte des Nymphensittichs gibt es verschiedene Thesen, allerdings konnte keine bewiesen werden. Vermutet wird eine gemeinsame, bereits ausgestorbene Stammform. Aus dieser könnten sich sowohl die Plattschweifsittiche als auch die Nymphensittiche und in gleicher Linie die Kakadus entwickelt haben. Inzwischen ist die nahe Verwandtschaft mit den Rabenkakadus (Calyptorhynchus), dem Helmkakadu (Callocephalon fimbriatum) und dem Rosakakadu (Eolophus roseicapilla) erwiesen.
 

 

Erscheinungsbild und Körperbau

Die etwa 30 bis 34 Zentimeter langen Vögel wiegen etwa 90 bis 110 Gramm. Sie werden 15 bis 20 Jahre alt, in Einzelfällen auch bis zu 30 Jahre. Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Nymphensittichs ist grau mit weißen Flügeldecken und einem orangen Wangenfleck. Die Hähne haben eine ausgeprägte gelbe Gesichtsmaske, die Hennen eine gelb-schwarze Querbänderung an der Schwanzunterseite. Ungewöhnlich ist die lange spitze Federhaube auf dem Kopf, mit der die Tiere wahrscheinlich Empfindungen und Stimmungen ausdrücken.

In den letzten 60 Jahren wurden viele Farbschläge gezüchtet, die weit von der Wildform abweichen. Neben den wildfarbenen Nymphensittichen gibt es heute zum Beispiel Geperlte, Lutinos, Schecken, Weißköpfe, Zimter und Kombinationen daraus. Die Unterscheidung der Geschlechter ist mit den neuen Farbschlägen erheblich schwerer und oftmals nur noch anhand des Verhaltens zu klären.

 

Natürlicher Lebensraum und Ernährung

Nymphensittiche leben in den trockenen Inlandsgebieten Australiens. Sie sind dort derzeit noch nicht gefährdet, der vorhandene Wildbestand gilt aber als abnehmend. Außer in geschlossenen Wäldern sind Nymphensittiche fast in jeder Vegetationsform ihres Lebensraums anzutreffen. Die Schwärme leben nomadisch und durchstreifen dabei weitreichende Gebiete, nur zur Brutzeit lassen sie sich an einem festen Ort nieder. Typischerweise setzt sich ein Schwarm aus bis zu 50 Individuen zusammen. Während der saisonalen Wanderungen bilden sich sehr große Schwärme. An Wasserstellen wurden bereits über 1.000 Tiere gleichzeitig beobachtet. Durch diese ständige Durchmischung der Population haben sich keine erkennbaren Unterarten entwickelt.

Wild lebende Nymphensittiche ernähren sich von halbreifen Gräsern und Hirsen. Weizen und Sorghum werden ebenfalls genutzt. Bei der Futtersuche auf dem Boden bleibt immer ein Schwarmmitglied (bevorzugt ein Hahn) auf erhöhtem Posten sitzen, um bei Gefahr zu warnen.

 

Fortpflanzung und Sozialverhalten

Der Beginn der Brutsaison ist abhängig von einem entsprechenden Nahrungsangebot. Je nach klimatischen Bedingungen sind zwei bis drei erfolgreiche Bruten möglich. Die Vögel suchen sich Nistplätze in Wassernähe – oft sind es Eukalyptusbäume, in denen sich die Nisthöhlen in etwa drei Meter Höhe befinden. Ein Gelege besteht aus vier bis sechs Eiern, die Brutdauer beträgt zwischen 18 und 21 Tagen. Meist brütet die Henne nachts und der Hahn tagsüber. Partnerfüttern wurde bei frei lebenden Nymphensittichen nur sehr selten beobachtet. Die Küken sind beim Schlupf blind, die Augen öffnen sich um den 10. Lebenstag. Nach etwa vier Wochen verlassen sie die Nisthöhle und lernen fliegen. Selbstständig sind Nymphensittiche nach acht bis zwölf Wochen, die Geschlechtsreife erlangen sie im Alter von etwa neun bis zehn Monaten.

Auch innerhalb großer Schwärme leben Nymphensittiche monogam. Sie besitzen ein ausgeprägtes Gruppenverhalten, welches das Individualverhalten überwiegt. Bei Gefahr flüchten beispielsweise alle Mitglieder der Gruppe, wenn nur ein Tier des Schwarms einen typischen Warnruf lautstark von sich gibt. Der Lockruf (oder Suchruf) dient dem Zusammenfinden einzelner Individuen oder kleinerer Schwarmeinheiten vor z. B. einem gemeinsamen Flug zur Wasserstelle.

 

Haltung als Heimtiere

Nymphensittiche sind sehr anpassungs- und widerstandsfähig. Sie brüten deshalb in Gefangenschaft auch unter nicht-optimalen Lebensbedingungen. Daher wurden sie schon früh als Haustiere geschätzt.

Nymphensittiche sind auch bei Heimtierhaltung ausgeprägte Schwarmtiere. Daher ist die gegengeschlechtliche paarweise Haltung ideal. Einzelhaltung kann zu Verhaltensstörungen und Fehlprägungen auf den Menschen führen. Aus ruhigen, ausgeglichenen Vögeln können Schreier, schlimmstenfalls sogar Rupfer werden. Das heißt, sie verstümmeln sich selber, indem sie sich ihr eigenes Gefieder ausreißen. Nackte Körperpartien, Narbenbildung und langjährige Schwierigkeiten bei der Resozialisierung sind keine Seltenheit.

Nymphensittiche benötigen viel Platz. Im Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien vom 10. Januar 1995 (herausgegeben von der „Sachverständigengruppe Gutachten über die tierschutzgerechte Haltung von Vögeln“) wurde der Nymphensittich zwar nicht mit berücksichtigt, jedoch kann von der für vergleichbar große Vögel empfohlenen Mindestgröße für ein Paar in reiner Käfig- oder Volierenhaltung ausgegangen werden: sie beträgt zwei Meter Länge, ein Meter Breite und ein Meter Höhe. Dabei ist die Größe der Grundfläche entscheidend, nicht die Höhe. Der höchste Punkt der Voliere muss aber mindestens auf Augenhöhe der Menschen sein, da die Vögel sich sonst unwohl fühlen. Zur Einrichtung eignen sich ungiftige Naturäste in verschiedenen Dicken, Sisalseile, Schaukeln und kleine Sitzbretter. Naturhölzer sind für die Abnutzung der Krallen von Vorteil, so dass ein Kürzen durch den Menschen nur äußerst selten nötig wird.

Jegliche Plastikeinrichtung dagegen birgt hohe Gesundheitsrisiken. So können geriffelte Kunststoffstangen und mit Sandpapier umwickelte Sitzstangen zu Ballengeschwüren führen. Darüber hinaus kann es zu inneren Verletzungen aufgrund aufgenommener Plastikteile kommen.

 

Ernährung

Zur Fütterung eignen sich Edelstahl- oder Keramiknäpfe. Bei großem Platzangebot kann man auch in Tonschalen auf dem Boden füttern. Nymphensittiche entspelzen die Körner, daher sind Futterspender ungeeignet. In großen Wasserschalen wird gern gebadet.

Eine vielseitige Saatenmischung bildet das Grundfutter. Die im Handel erhältlichen Großsittichmischungen enthalten meist zuviele Sonnenblumenkerne. Daher ist es sinnvoll, zu zwei Dritteln eine Wellensittichfuttermischung unterzumischen. Kolben- und Rispenhirsen sind entsprechend der natürlichen Futteraufnahme eine besonders geeignete Ergänzung. Gemüse, Obst und frische Kräuter stellen einen wichtigen Teil der Ernährung dar, ebenso wie Keimfutter. Belaubte Äste von ungiftigen Bäumen sind sinnvoll zur Beschäftigung der Vögel und als Quelle für Vitamine und Mineralien.

 

Verhalten

Die Tiere orientieren ihren Tagesablauf immer an den anderen Mitgliedern des Schwarms. Sie fressen gemeinsam, schlafen und putzen sich zur gleichen Zeit. Die oftmals im Zoohandel angebotenen Spiegel simulieren einen nicht vorhandenen Sozialpartner. Sie sind als tierschutzwidrig abzulehnen.

Nymphensittiche zeigen ein sehr interessantes Balzverhalten. Die Hähne umwerben ihre erwählte Henne mit Gesang. Dabei stolzieren sie mit leicht abgestellten Flügeln um sie herum. Der Gesang ist individuell ausgeprägt und verändert sich. Die Hähne üben nicht nur neue Gesänge ein, sondern kombinieren diese auch mit festgelegten Bewegungsabläufen. Sie strecken zum Beispiel die Flügel aus zu einer bestimmten Tonabfolge. Nistkästen dürfen aber nur dann zur Verfügung gestellt werden, wenn eine amtliche Zuchterlaubnis vorliegt.

Das Nagen an verschiedenen Einrichtungsgegenständen wie Tapeten, Bildern und Türrahmen entspringt den natürlichen Verhaltensweisen der Nymphensittiche. Man kann mit Naturkork und frischen Ästen einen Ausgleich schaffen, um solche Knabberattacken zu verhindern.

Bei trockener Heizungsluft und im Sommer baden und duschen Nymphensittiche sehr gern. Einige Tiere nutzen dazu die Wasserschale, andere bevorzugen es mit einer Blumenspritze abgeduscht zu werden. Dabei sträuben sie ihr Gefieder auf und strecken die Flügel vom Körper ab.

Wellensittich

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Wellensittich

Wellensittiche (Melopsittacus undulatus)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Plattschweifsittiche (Platycercinae)
Gattung: Wellensittiche (Melopsittacus)
Art: Wellensittich
Wissenschaftlicher Name
Melopsittacus undulatus
(Shaw 1805)

Der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) hat seinen Namen von dem wellenförmigen Muster seines Gefieders und ist eine Vogelart, die zur Ordnung der Papageien (Psittaciformes) und zur Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) gehört. Seine taxonomische Stellung innerhalb der Familie ist umstritten.

 

Aussehen

Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Wellensittichs ist grün mit gelbem Gesicht. Eine schwarze Querbänderung beginnt am Vorkopf und zieht sich über den Rücken und über die Flügeldecken. Das Gefieder ist bei beiden Geschlechtern gleich. Männchen haben eine intensiv blaue (in der Jugend rosaviolette) Wachshaut (= Bereich über dem Schnabelanfang). Männliche Albinos (weißer Vogel mit roten Augen) und Lutinos (gelber Vogel mit roten Augen) und rezessiv vererbende Schecken haben jedoch eine rosa Wachshaut wie Jungvögel. Die Wachshaut von Weibchen ist eher rau und variiert bei allen Farbschlägen zwischen weißlich-hellbraun bis dunkelbraun. Bei rauer brauner Wachshaut befindet sich die Henne in Brutstimmung. Vielfach bildet sich auf der Wachshaut bei brutstimmigen Weibchen eine Borke. Bei glatter hellbrauner oder sogar weißer Färbung ist das Weibchen jedoch überhaupt nicht brutlustig. Eine helle, auch hellblau eingefärbte Wachshaut bei Weibchen könnte auch auf eine Erkrankung hinweisen. Jungvögel unterscheiden sich von den ausgewachsenen Wellensittichen neben der Wachshaut durch die vollkommen schwarzen Augen (die weiße Iris ist noch nicht zu sehen). Bei rezessiv vererbenden Schecken und den sogenannten Schwarzaugen ist der Irisring auch bei erwachsenen Tieren nicht zu sehen. Bei ganz jungen Vögeln reicht die schwarze Zeichnung über den Kopf bis zur Wachshaut und der Schnabel ist schwärzlich gefärbt. Wellensittiche mit rotem Gefieder sind nicht bekannt. Kreuzungsversuche mit Bourkesittichen zur Züchtung roter Wellensittiche blieben erfolglos. Wellensittiche mit schwarzem Gefieder wurden erstmals 1998 erfolgreich in Deutschland gezüchtet.

Verbreitung

Der Wellensittich kommt natürlicherweise auf dem australischen Kontinent vor. In Florida ist er einst in großer Zahl verwildert. Aus ungeklärten Gründen ging der Bestand dieser verwilderten, standortfremden Tiere jedoch drastisch zurück. In Deutschland findet man manchmal Gefangenschaftsflüchtlinge, die jedoch kaum den Winter überleben.

 

Lebensraum

Ursprungsgebiet der Wellensittiche: fast überall in Australien, Wellensittiche meiden aber Küstenregionen. Nomadengleich ziehen sie von Wasserstelle zu Wasserstelle Regenfällen hinterher. Tagsüber sind die in großen Schwärmen lebenden Vögel mit der Futtersuche am Boden beschäftigt. Mittags ziehen sie sich zum Schutz vor der meist großen Hitze in Baumkronen zurück, wo sie auch nachts zu finden sind.

Zur Brutzeit besiedeln Elterntiere alte, ausgehöhlte Bäume. Das Weibchen bebrütet ein Gelege von ca. vier Eiern 21 Tage lang, während es vom Männchen versorgt wird. Junge Wellensittiche sind Nesthocker und werden mit etwa vier bis fünf Wochen flügge.

 

Geschichte

Der Wellensittich wurde angeblich von dem Strafgefangenen und Künstler Thomas Watling entdeckt, der wegen des Fälschens von Banknoten 1792 in die Strafkolonie Australien deportiert worden war. 1831 gelangte das erste Mal ein ausgestopfter Wellensittich nach Europa.

1794 erwähnt George Shaw den Vogel erstmals in dem Buch Zoology of New Holland (Neuholland war ein vorläufiger Name Australiens), die dafür verwendeten Exemplare erhielt er von einem der frühen Siedler, der sie in der Umgebung von Parramatta gesammelt hatte. 1805 beschrieb Shaw den Wellensittich erstmalig wissenschaftlich in The Naturalist's Miscellany unter dem Namen Melopsittacus undulatus, darin findet sich auch die älteste wissenschaftliche Darstellung der Art von R. P. Nodder. Im Jahre 1840 gab der Zoologe John Gould, der zugleich ein erstrangiger Zeichner insbesondere von Vogeldarstellungen war, in seinem siebenbändigen Werk The Birds of Australia dem Wellensittich seinen noch heute gültigen wissenschaftlichen Namen.

John Gould war es auch, der im gleichen Jahr vermutlich erstmals lebende Exemplare nach England einführte. Durch eine Vogelausstellung in Antwerpen im Jahre 1850 wurde der Vogel in ganz Europa bekannt. Kurz darauf wurden große Wildfänge nach Europa importiert, wo sich später erste Zuchterfolge einstellten. In den folgenden Jahren nahm der Export von Wellensittichen so stark zu, dass 1884 von der australischen Regierung ein Exportverbot erlassen wurde. Dieses Gesetz gilt bis heute, obwohl der Wellensittich in Australien nicht zu den bedrohten Arten zählt.

Mittlerweile wird der Vogel in zahlreichen Farbschlägen (blau, gelb, grau, weiß ...) gezüchtet. 1872 tauchten erstmals gelbe Tiere auf. Um 1900 kamen blaue hinzu, 1920 die ersten weißen Wellensittiche. Heute gibt es rund 100 Standard-Farbschläge, die von den Zuchtverbänden anerkannt werden. Auf Vogelschauen wird der so genannte Standardwellensittich zur Schau gestellt. Er ist deutlich größer als der normale Wellensittich, welcher bei den Züchtern als Hansi-Bubi bezeichnet wird.

 

Lebenserwartung

Freilebende Wellensittiche werden selten älter als drei oder vier Jahre.

In Gefangenschaft gehaltene Tiere haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 8-11 Jahren. Sie können durchaus zehn bis sechzehn Jahre alt werden, vereinzelt wird sogar von noch älteren Exemplaren berichtet. Andererseits sterben auch relativ viele Zuchtwellensittiche trotz sorgsamer Haltung bereits nach Monaten oder wenigen Jahren durch Krankheiten.

 

Haltung

Wellensittiche sind Schwarmvögel. Allein gehalten verkümmern sie seelisch und körperlich. Eine gemeinsame Haltung von mindestens zwei Wellensittichen ist angebracht. Einzelhaltung ist Tierquälerei. Ein Spiegel oder ein Plastikvogel ist nie ein Ersatz für einen echten Wellensittich, da diese nicht auf den Wellensittich natürlich reagieren können und dieser so auf Dauer einen seelischen Schaden nimmt. Besonders Männchen versuchen oft, diesen "Ersatzpartner" anzubalzen und zu füttern, was im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Kropfentzündung führen kann. Der Mensch und andere Tiere wie z.B. Nymphensittiche können keinen Ersatz für einen Artgenossen leisten. Mindestens einer der gehaltenen Wellensittiche sollte ein Männchen sein. Zwei Weibchen rivalisieren im Allgemeinen. Zwei Männchen können zusammen gehalten werden.

Wellensittiche legen in freier Wildbahn täglich bis zu einhundert Kilometer fliegend zurück. Eine tatsächlich artgerechte Haltung ist nicht möglich. Werden Wellensittiche dennoch gehalten, sollte der verwendete Käfig breiter als hoch sein und für ein Paar jeweils in der Höhe 100 cm nicht unterschreiten und mindestens 50 cm tief sein. Bei der Haltung einer kleinen Gruppe kommt nur eine Zimmervoliere in Frage, die mindestens 1 m² Grundfläche für 4 bis höchstens 6 Tiere hat. Für mehr Wellensittiche sollte man auf eine „richtige“ Zimmervoliere von 2 m² zurückgreifen. Hier können bis zu 12 Tiere gehalten werden. Käfige von etwa 40 cm x 20 cm x 30 cm und Rundkäfige sind Tierquälerei. Der Rundkäfig erschwert Wellensittichen die Orientierung und ermöglicht es ihnen nicht, sich in eine Ecke zurückzuziehen. Zudem bieten sie keine ausreichenden Flug- Klettermöglichkeiten. Waagerecht verlaufende Gitter sind senkrechten vorzuziehen, da Wellensittiche gerne und geschickt klettern.

Der Wellensittichkäfig muss stabil und vor Zugluft geschützt mindestens auf Tischhöhe aufgestellt werden. Der tägliche mehrstündige Freiflug ist unverzichtbar. Da Wellensittiche in Gefangenschaft nicht Strecken wie in freier Wildbahn zurücklegen können, müssen zur Kompensation ausreichend Klettermöglichkeiten im Käfig vorhanden sein. Auch im Freien können Wellensittiche gehalten werden, wenn ihnen ein entsprechendes Schutzhaus zur Verfügung steht, das sie jederzeit aufsuchen können. Im übrigen sollte ein Teil der Außenvoliere durch ein Dach vor Regen geschützt sein (was ein Schutzhaus natürlich nicht ersetzt).

Zu beachten ist hier auch, dass die Wellensittiche im Freien keinen Freiflug genießen können. Aus diesen Gründen ist hier für zwei bis vier Tiere eine Außenvolière von mindestens 2 m² Fläche notwendig. Nach oben sind selbstverständlich keine Grenzen gesetzt. Für bis 30 Tiere sollten es nach Möglichkeit 10 m² Grundfläche; am besten 5 m x 2 m sein. Es kommt vor allem auf die Länge der Voliere an. Zwei mittellange Seiten helfen den Vögeln nicht annähernd so viel wie eine ganz lange und eine relativ kurze, da sie nur auf einer längeren Strecke wirklich fliegen können.

Wellensittiche ernähren sich überwiegend von Grassaaten und Gräsern. Das Grundfutter besteht daher aus einer im Fachhandel erhältlichen ausgewogenen Körnermischung mit allerlei Sorten von Rispenhirse. Sehr beliebt bei Wellensittichen ist Kolbenhirse. Zusätzliche Gaben von Obst, wie Äpfel und Birnen, oder Gemüse, beispielsweise Gurke oder Karotte, werden gelegentlich gern genommen und runden den Speiseplan ab, zudem sorgen sie für ausreichende Zufuhr von Vitaminen und beschäftigen die Tiere. Dabei sollten nicht zu große Mengen verfüttert werden, da sonst Durchfall droht. Aufgeweichtes und gekeimtes Vogelfutter ist eine vitaminreiche und gesunde Nahrungsergänzung, die etwa alle zehn Tage gereicht werden und wegen Schimmelgefahr nach etwa zwei Stunden wieder entfernt werden sollte. Wellensittiche vertragen jedoch nicht alle Obst- und Gemüsesorten. Ungeeignet sind beispielsweise Zitronen und Pampelmusen wegen ihres hohen Säuregehaltes, Bohnen (Verdauungsstörungen) sowie Avocado (zu fetthaltig und hochgiftig). Zudem müssen die gereichten Früchte frei von Pestiziden sein. Quark und Eiweiß von gekochten Hühnereiern bieten Abwechslung von der sonst rein vegatarischen Kost. Das Eigelb gekochter Hühnereier sollte sehr selten gegeben werden, da es sehr energiereich ist und zur Verfettung führen kann. Der Vogelhalter ist dabei in der Pflicht, auf eine ausgewogene Ernährung der Vögel zu achten. Als Getränke eignen sich für Wellensittische Wasser und - im Krankheitsfall - schwacher Pfefferminze- oder Kräutertee. Das Wasser kann bei Bedarf mit einem Vitaminpräparat wohldosiert versetzt werden. Das Getränk muss mindestens einmal täglich erneuert werden. Reines Wasser kann den Wellensittichen auch in einer Badestelle angeboten werden. Wellensittiche müssen von kohlensäurehaltigen Getränken, Süßspeisen, gekochten oder gegarten Lebensmitteln und Spirituosen ferngehalten werden, da sie der Gesundheit des Vogels schaden. Einmaliges Naschen ist im Allgemeinen nicht kritisch, sollte aber dennoch vom Halter unterbunden werden!

Als Einstreu eignet sich grober Sand. Von Zeitungspapier, Küchenrolle und Sandpapierteppichen ist abzuraten, da Wellensittiche davon Stücke abreißen können. Verschlucken sie diese Stücke, kann dies zu Kropfreizungen/-entzündungen, Verdauungsstörungen oder zur Erstickung führen.

Wichtig ist, falls nicht mit Muschelgrit versetzter Sand benutzt wird, Grit in einer eigenen Schale anzubieten – er ist für die Verdauung unabdingbar. Die Einstreu muss mindestens einmal wöchentlich gewechselt werden. Bei starker Verschmutzung muss sie sofort ausgetauscht werden, da die Vögel ansonsten schnell krank werden können.

Wellensittichen muss eine Sepiaschale oder ein Mineralstein zum Abwetzen des Schnabels zur Verfügung stehen. Statt der handelsüblichen Plastiksitzstangen oder Glattholzstangen, die schwere Fußleiden verursachen, sind Naturäste von Obstbäumen, Haselnuss oder Weide in verschiedenen Durchmessern (nicht direkt vom Straßenrand) anzubringen. Auf Sandpapierüberzüge ist auch hier zu verzichten, um die Fußhaut der Tiere nicht zu verletzen.

Mit Spielsachen aus Kunststoff sollte eher gespart werden, jedoch spricht nichts gegen Zweige, an denen die Vögel auch nagen können. Schaukeln und Gitterbälle für Vögel beispielsweise sind hingegen eine sinnvolle Beschäftigung. Plastikwellensittiche und Spiegel sind inzwischen als tierschutzwidriges Zubehör klassifiziert. Bei Einzelhaltung ist dieses Spielzeug zusätzlich schädlich, da dem Vogel ein Partner vorgegaukelt wird, der aber Annäherungsversuche nicht erwidert und somit eine Frustration beim Einzelvogel auslöst, die in Aggression z.B. einschlagen auf den Spiegel oder Plastikvogel und Verhaltensstörungen wie z.B. Federrupfen umschlägt. Ständige, erfolglose Fütterungsversuche können zudem vor allem bei männlichen Sittichen zu einer lebensbedrohlichen Kropfentzündung führen.

 

Grundausstattung eines Wellensittichkäfigs

Folgende Dinge sollten in jedem Käfig vorhanden sein:

  • Behälter für das Vogelfutter, dabei ist von Einhängenäpfen unbedingt abzuraten, da die Vögel bei dem Versuch, hinein zu klettern, hängen bleiben können.
  • Wassertränke, hierbei muss auf besondere Hygiene geachtet werden, da sich gerade in Kunststoffen leicht Risse bilden, die Quelle für Bakterieninfektionen sein können.
  • Stangen, möglichst aus Naturholz und in unterschiedlichen Durchmessern, da sich bei Plastikstangen die Krallen nicht richtig abnutzen und durch die immer gleiche Fußhaltung Druckstellen und Fehlstellungen begünstigt werden. Von Stangen mit Sandüberzug ist abzuraten, da die Wellensittiche dann wie auf Schleifpapier sitzen.
  • Schaukeln und geeignete, ungefährliche Spielzeuge, die der Beschäftigung der Tiere dienen. Spiegel und Plastikvögel hingegen dürfen keinesfalls angeboten werden, da sie zu schweren Verhaltensstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Kropfentzündungen führen können!
  • Sepiaschale, dient der Schnabelabwetzung.
  • Mineralstein, da so der Vogel wichtige Mineralien aufnehmen kann, die insbesondere während der Mauser und für das Knochenwachstum unentbehrlich sind.
  • Badehaus, da Wellensittiche von Natur aus öfter ein Bad zur Erfrischung nehmen. Viele Sittiche ziehen aber ein Bad in einer flachen, rutschfesten Schale oder in nassen Kräutern vor.
  • Einstreu, im Normalfall der für Wellensittiche angebotene Vogelsand.
  • Tageslichtlampen, sogenannte Bird Lamps. Das mitteleuropäische Tageslicht enthält im Vergleich zu Australien viel weniger UV-Licht. Dieses UV-Defizit kann mit solchen Lampen ausgeglichen werden, die im gut sortierten Fachhandel zu erwerben sind.
  • Zu beachten: Wellensittiche koten alle paar Minuten. Somit ist in dem Käfig viel Küchenrolle u. /o. Zellstoff angebracht!

 

Zucht

Aufgrund seiner relativ leichten Züchtung war der Weg zur Haustierwerdung vorprogrammiert. Anfangs standen Wellensittich-Ornithologen jedoch vor dem Rätsel, warum sich die Vögel in Gefangenschaft einfach nicht vermehren wollten. Erst als durch Zufall herausgefunden wurde, dass Wellensittiche ihre Eier in Hohlräumen oder eben in den schon erwähnten hohlen Baumstämmen ablegen, stellten sich Zuchterfolge ein.

In Deutschland bedarf es einer Zuchtgenehmigung gemäß der Psittacoseverordnung (als Teil der BundesSeuchenschutzverordnung ), wenn man Wellensittiche brüten und Nachwuchs bekommen lassen will. Dies gilt sowohl für die private als auch für die gewerbliche Zucht. In anderen deutschsprachigen Ländern (Schweiz, Österreich) ist solch eine Genehmigung nicht erforderlich.

Der Hormonzyklus des Weibchens und damit die Produktion von Eiern wird erst ausgelöst, wenn sich das Weibchen längere Zeit ungestört in einer dunklen und ruhigen Nisthöhle aufhält. Ferner wird ein Weibchen erst dann paarungsbereit sein, wenn ein entsprechendes Futterangebot vorhanden und eine bestimmte Tageslichtdauer erreicht ist. Findet das Weibchen keine passende Nistmöglichkeit, wird es nicht anfangen zu brüten. Häufig brütet ein allein gehaltenes Wellensittichpärchen trotz Nistmöglichkeit nicht. Um in solchen Fällen das Brutverhalten auszulösen, kann das junge Wellensittichpärchen mit älteren Pärchen, die selbst brüten, zusammengebracht werden. Weibchen legen in seltenen Fällen - auch wenn keine Nistmöglichkeit vorhanden ist oder wenn sie tierschutzwidrig einzeln gehalten werden - trotzdem Eier. Bruterfolg wird sich in der Regel nicht einstellen, jedoch dürfen diese Eier nicht sofort entfernt werden sondern müssen ein paar Tage im Käfig gelassen werden. Ein sofortiges Entfernen würde das Weibchen zwingen, neue Eier zu legen, was unter ungünstigen Umständen zu Legenot führt und in jedem Fall eine erhebliche Schwächung der Gesundheit und des Immunsystems mit nachfolgenden Erkrankungen des Weibchens mit sich bringt. Um Bruterfolg sicher auszuschließen, können die Eier abgekocht, stark geschüttelt (die Hagelschnüre reißen dann) oder mit einer Nadel punktiert werden.

Sofern eine Zucht erlaubt oder genehmigt ist, brauchen die Eier nicht entfernt oder unfruchtbar gemacht werden. Das Weibchen wird im Abstand von etwa 2 Tagen die Eier legen, bis ein Gelege vollständig ist. Im Durchschnitt umfasst ein Wellensittichgelege in Gefangenschaft etwa 5-6 Eier. In seltenen Fällen sind es weniger als vier oder mehr als acht Eier. Das Weibchen wird ab dem ersten Ei brüten; die Brutdauer beträgt pro Ei etwa 18 Tage. Ab dem zehnten Bruttag sollte man dem Brutpaar spezielles Aufzuchtfutter anbieten. Etwa 48-24 Stunden vor dem Schlupf des ersten Kükens wird das Männchen deutlich unruhiger werden. Spätestens 24 Stunden vor dem Schlupf wird das Küken sich mit leisen Stimmfühlungslauten im Ei bemerkbar machen. Das brütende Weibchen wird mit leisen Zwitschertönen antworten und das Küken damit zum Schlupf animieren.

Nach dem Schlupf, bei dem das Weibchen unter Umständen dem Küken auch aus dem Ei heraushilft, werden die Küken, die im Abstand von 2 Tagen schlüpfen, von dem Weibchen anfangs alle 2 Stunden mit der Kropfmilch gefüttert. Mit dem Alter von 14 Tagen werden vorverdaute Körner beigemischt gefüttert und ab dem 25. Tag erhält das Küken fast ausschließlich normales Körnerfutter. Ab dem 35. Tag sind die Küken flügge. Schon einige Tage vorher kann man in der Nisthöhle oder dem Nistkasten heftiges Flügelschlagen hören, wenn die Nestlinge ihre Flugmuskulatur trainieren. Bis zum Alter von 8-10 Wochen werden die Jungvögel nach dem Verlassen des Nestes von den Elterntieren noch mitgefüttert. Die Aufgabe übernimmt dabei überwiegend das Männchen, welches den Jungtieren damit auch zeigt, was essbar ist und was nicht.

Jungtiere sollten auf keinen Fall vor der 10. Woche abgegeben werden, da sie meist noch nicht futterfest sind, sich also noch nicht in ausreichender Menge Futter aufnehmen können, und dann beim neuen Besitzer schnell verhungern.

 

Quelle: www.wikipedia.de